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Theaterbesuch von “Der Goldne Topf” in Göppingen

Die Novelle „Der goldene Topf“ von E.T.A. Hoffmann, die 1814 erstmals veröffentlicht wurde, ist eine der drei Abi-Lektüren, mit denen wir uns in diesem Schuljahr beschäftigen.

Dass die württembergische Landesbühne Esslingen diesen Text am Donnerstag, den 6. Februar 2020 um 19 Uhr, in der Stadthalle in Göppingen als Gastspiel aufführte, war ein Glücksfall. Schließlich ist es interessant zu sehen, wie eine Lektüre, die über 200 Jahre alt ist, in der heutigen Zeit auf der Bühne umgesetzt wird.

Da die Möglichkeit bestand, die Organisation dieses Theaterbesuchs als GFS bewerten zu lassen, habe ich diese Aufgabe übernommen. Zu dieser Organisation gehörte die Erstellung einer Teilnehmerliste, der Kartenkauf, das Einsammeln der Eintrittsgelder, die Zusammenstellung der Fahrgemeinschaften, die inhaltliche Einführung in das Thema am Tag der Aufführung im Deutschunterricht, die Koordination des Treffpunkts in Göppingen und letztlich dieser Artikel über den Theaterbesuch.

Als die Klassen SG21 und SG32 in Göppingen ankamen, war die Stadthalle nahezu ausverkauft und das Publikum bestand vorrangig aus Schulklassen. Die jungen Schauspieler schafften es von der ersten bis zur letzten Minute, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Unterstützt von Licht- und Geräuscheffekten der Bühnentechnik entstand eine magische Stimmung. Die Schauspieler übernahmen die Rolle des Erzählers der Novelle, indem sie im Chor sprachen. In ihren Einzelrollen bewiesen sie das Talent, die jeweiligen Charaktere besonders kreativ hervorzuheben. So zeigte der angesehene Archivarius Lindhorst nicht nur durch eine Badekappe und einem Ärmel mit Echsenmuster, der aus dem Anzug hervorblitzte, dass er ursprünglich von einem Salamander und einer Feuerlilie abstammt, sondern auch durch seinen besonderen Gang und Bewegungsablauf die Tatsache, dass er eigentlich kein menschliches Wesen ist. Seine Tochter Serpentina, eine Schlange, betört den schusseligen Anselmus, der seine Rolle ebenfalls wunderbar spielte, mit ihrem Glitzerschuppenkostüm und ihren schlängelnden Bewegungen. Auch Veronika, die Tochter des Konrektors Paulmann, der manchmal fast an der Verrücktheit der anderen verzweifelt, brachte ihre innere Zerrissenheit zwischen der realen und der magischen Welt grandios zum Ausdruck. Besonders in der Szene, als ihre Verfassung mit Hilfe eines Stroboskops in der Dunkelheit mit abgehackten Bewegungen im Blitzlichtflimmern bis zur völligen Erschöpfung dargestellt wurde, war jedem Zuschauer klar, wie sich ihre Gefühlswelt ausdrückte. Schließlich kann sie letztendlich nur durch die Hochzeit mit dem Registrator Heerbrand, der am Schluss zum Hofrat aufsteigt, auf den Boden der realen Welt zurückgeholt werden. So gibt es am Ende eine Doppelhochzeit in zwei Welten, denn auch Anselmus und Serpentina feiern eingehüllt in einen riesigen Brautschleier ihre Hochzeit. Wie in einer Märchenwelt zu erwarten, gibt es also ein fettes Happy End.

Kritische Anmerkungen? Ja, denn die Rollen der Serpentina und des Äpfelweibs, das mal als Hexe, mal als verzauberter Türklopfen oder Veronikas altes Kindermärchen erschien, wurden von einer Schauspielerin übernommen, was manchmal sehr verwirrend war. Trotzdem oder gerade deshalb muss man natürlich die Leistung dieser Schauspielerin hervorheben.

Nach 80 rasanten Minuten gab es viel Applaus für die tollen Darsteller und wir waren uns im Anschluss einig: Dieser Theaterbesuch hat sich gelohnt!

 

Artikel: Xenia Vidal Ortiz, SG 2/1

Bild: Alissa Winter, SG 3/2

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