Zum Schuljahresende setzte die Emil-von-Behring-Schule in Geislingen noch einmal ein starkes Zeichen für Prävention und Zivilcourage. Das Forumtheater „Wilde Bühne“ aus Stuttgart war zu Gast und lud die Schülerinnen und Schüler dazu ein, sich aktiv mit schwierigen Alltagssituationen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt standen die Themen Sucht und Co-Abhängigkeit, emotionale Erpressung, psychische Gewalt, Cybermobbing sowie der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Krisen.
Organisiert wurde die Veranstaltung von Schulsozialarbeiterin Annette Heyd, die das Forumtheater bereits mehrfach an die Schule geholt hat. „Unser Ziel ist es, junge Menschen nicht nur zu informieren, sondern sie zum Mitdenken und Mitgestalten anzuregen. Wenn Schülerinnen und Schüler selbst Lösungen entwickeln, bleiben diese Erfahrungen besonders nachhaltig“, erklärt Heyd.
Die Besonderheit der „Wilden Bühne“ liegt in ihrem interaktiven Konzept. Die Schauspielerinnen und Schauspieler erzählen Geschichten, die auf realen Erfahrungen basieren, und beziehen das Publikum aktiv in die Handlung ein. Die Schülerinnen und Schüler konnten Szenen unterbrechen, eigene Ideen einbringen und alternative Lösungswege auf der Bühne ausprobieren.
Die erste Szene „Ein Foto nur für dich“ griff ein hochaktuelles Thema auf. Nachdem intime Fotos einer Schülerin ohne ihre Zustimmung weitergegeben werden, wird sie erpresst und zunehmend unter Druck gesetzt. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen nach Hilfsangeboten, dem Recht am eigenen Bild, dem Umgang mit Scham sowie möglichen rechtlichen Schritten.
In der zweiten Szene „Nelly und André“ gerät André nach dem Konsum von Ecstasy in eine schwierige Lage. Unter Hausarrest setzt er seine Freundin Nelly emotional unter Druck, damit sie ihm Drogen besorgt. Gemeinsam mit den Darstellenden diskutierten die Schülerinnen und Schüler, wie man Menschen mit einer Suchterkrankung unterstützen kann, ohne selbst in eine Co-Abhängigkeit zu geraten.
Begleitet wurde die Aufführung von Frau Baumeister von der Polizeidirektion Ulm (Referat Prävention). Sie erläuterte rechtliche Hintergründe zu Suchtmitteln, Gewalt und digitalem Fehlverhalten und beantwortete die Fragen der Schülerinnen und Schüler.
Im Anschluss an die Aufführungen blieb ausreichend Zeit für einen offenen Austausch mit den Schauspielerinnen und Schauspielern. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit, ihre Gedanken einzubringen und gemeinsam über Handlungsmöglichkeiten in schwierigen Situationen zu sprechen.
Für Annette Heyd steht fest: „Das Forumtheater schafft einen geschützten Raum, in dem junge Menschen schwierige Themen offen ansprechen können. Durch das gemeinsame Ausprobieren verschiedener Lösungen erleben sie, dass sie in herausfordernden Situationen nicht hilflos sind, sondern selbst etwas bewirken können.“
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie Präventionsarbeit gelingen kann: lebensnah, interaktiv und mit nachhaltigen Impulsen für den Schulalltag.
Artikel: Tina-Corine Walz, Philipp Danquard
Bilder: Anna Biermann
